Wenn die Winterkälte in Europa noch ihre letzten Kräfte mobilisiert, während der Februar bereits die ersten zaghaften Frühlingsboten ankündigt, öffnet sich im Herzen Jordaniens ein Zeitfenster der perfekten Reisebedingungen. Petra im Februar zu besuchen bedeutet, eines der sieben Weltwunder der Moderne bei angenehmen Temperaturen zu erleben – ohne die drückende Sommerhitze und ohne die Menschenmassen der Hochsaison. Für Paare, die nach einem Reiseziel suchen, das Abenteuer, Geschichte und Romantik vereint, ohne dabei das Reisebudget zu sprengen, ist die rosarote Felsenstadt genau die richtige Wahl.
Die verborgene Schönheit der Nabatäer
Der erste Moment, wenn man durch den schmalen Siq wandert – jene kilometerlange Schlucht, deren Felswände sich bis zu 80 Meter hoch auftürmen – lässt sich nicht in Worte fassen. Das Licht spielt mit den Ockertönen des Sandsteins, und mit jedem Schritt wächst die Spannung. Dann, am Ende der Schlucht, offenbart sich das Khazne al-Firaun, das berühmte Schatzhaus, in seiner ganzen Pracht. Die in den Fels gemeißelte Fassade scheint im wechselnden Licht des Februar zu leuchten, und genau hier wird klar: Dies ist kein gewöhnlicher Ort.
Petra ist weitaus mehr als nur das ikonische Schatzhaus. Die antike Stadt erstreckt sich über ein riesiges Gebiet mit Hunderten von Felsgräbern, Tempeln, einem römischen Theater und verschlungenen Pfaden, die zu versteckten Höhenklöstern führen. Im Februar herrschen tagsüber angenehme 15 bis 18 Grad Celsius – ideal für ausgedehnte Erkundungstouren zu zweit, bei denen man sich nicht mit sengender Hitze oder überfüllten Wegen herumschlagen muss.
Was ihr in Petra nicht verpassen solltet
Plant mindestens zwei volle Tage für die Erkundung ein. Der erste Tag gehört den Hauptattraktionen: Nach dem Durchqueren des Siq und dem obligatorischen Staunen vor dem Schatzhaus führt die Straße der Fassaden zu Dutzenden weiterer Felsgräber. Das römische Theater, das Platz für 3.000 Zuschauer bot, zeugt von der kulturellen Vielfalt dieser antiken Handelsmetropole.
Der zweite Tag sollte dem Aufstieg zum Kloster Ad Deir gewidmet sein. Über 800 in den Fels gehauene Stufen führen hinauf zu dieser gewaltigen Struktur, die noch größer ist als das Schatzhaus. Der Aufstieg dauert etwa 45 Minuten, doch die Aussicht von oben – über die zerklüfteten Berge und Wadis der Region – belohnt jede Anstrengung. Im Februar ist dieser Aufstieg deutlich angenehmer als in den heißen Sommermonaten, und ihr werdet oben oft nur wenige andere Besucher antreffen.
Verborgene Pfade für Abenteuerlustige
Abseits der Hauptrouten gibt es zahlreiche weniger frequentierte Pfade. Der Aufstieg zum Opferplatz (High Place of Sacrifice) bietet spektakuläre Panoramablicke über die gesamte antike Stadt. Von dort führt ein Pfad durch das Wadi Farasa hinunter, vorbei an farbenprächtigen Felsformationen und dem charmanten Gartengrab. Diese Route sehen nur etwa zehn Prozent der Besucher – ein echter Geheimtipp für Paare, die Einsamkeit und unberührte Schönheit suchen.
Für die ganz Mutigen gibt es eine anspruchsvolle Wanderung zum höchsten Opferplatz Umm al-Biyara, der über dem Stadtzentrum thront. Diese Wanderung erfordert Trittsicherheit und gute Kondition, aber die Einsamkeit und die atemberaubenden Ausblicke sind unvergleichlich.
Kostengünstig übernachten und genießen
Das nahegelegene Dorf Wadi Musa bildet die Basis für euren Aufenthalt. Hier findet ihr eine breite Palette an Unterkünften, die für jedes Budget geeignet sind. Einfache, saubere Gästehäuser mit Doppelzimmern gibt es bereits ab 25 bis 35 Euro pro Nacht. Viele dieser familiengeführten Häuser bieten Frühstück inklusive und eine persönliche Atmosphäre, die Hotels nicht bieten können. Die Gastfreundschaft ist außergewöhnlich – oft werdet ihr mit selbstgebackenem Brot und traditionellem Tee empfangen.
Mittelklasse-Hotels mit komfortablen Zimmern und oft spektakulären Ausblicken auf die Berge kosten zwischen 40 und 60 Euro pro Nacht. Im Februar könnt ihr aufgrund der Nebensaison oft gute Verhandlungsergebnisse erzielen, besonders wenn ihr mehrere Nächte bleibt.
Authentisch und erschwinglich essen
Die Verpflegung in Wadi Musa ist erfreulich günstig. Lokale Restaurants servieren traditionelle jordanische Gerichte wie Mansaf (Lamm mit Reis und Joghurtsauce), Maqluba (ein geschichteter Reis-Gemüse-Topf) oder die allgegenwärtigen Falafel und Hummus. Eine üppige Mahlzeit für zwei Personen in einem einfachen Restaurant kostet zwischen 10 und 18 Euro. Die Portionen sind generös, und oft werden kostenlos Vorspeisen wie Salate und eingelegtes Gemüse serviert.

Innerhalb der archäologischen Stätte gibt es mehrere einfache Cafés, die Sandwiches und Erfrischungen anbieten. Die Preise liegen etwas höher als außerhalb – rechnet mit etwa 3 bis 5 Euro für ein Sandwich und 2 Euro für Getränke. Viele Besucher packen sich morgens ein Lunchpaket, um Geld zu sparen und flexibel zu bleiben.
Praktische Tipps für die Fortbewegung
Der Eintrittspreis für Petra beträgt für einen Zweitagespass etwa 75 Euro pro Person – eine erhebliche Investition, aber angesichts dessen, was geboten wird, jeden Cent wert. Der Zweitagespass ist deutlich günstiger als zwei Einzeltickets und gibt euch die nötige Zeit, das Gelände wirklich zu erkunden.
Vom Besucherzentrum bis zum Schatzhaus sind es etwa zwei Kilometer durch den Siq. Danach erweitert sich das Gebiet enorm. Plant täglich 15 bis 20 Kilometer Fußmarsch ein, wenn ihr die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sehen möchtet. Bequeme, bereits eingelaufene Wanderschuhe sind unverzichtbar. Die Wege sind teilweise uneben, sandig oder bestehen aus glatten Felsstufen.
Innerhalb Petras werden auch Esel, Pferde oder Kamele als Transportmittel angeboten. Diese Option ist nicht nur aus ethischen Gründen fragwürdig, sondern raubt euch auch die Intimität des Erlebens. Zu Fuß könnt ihr anhalten, wo ihr möchtet, versteckte Ecken entdecken und die Atmosphäre vollständig aufsaugen.
Die richtige Ausrüstung für Februar
Im Februar schwanken die Temperaturen erheblich. Morgens kann es kühl sein mit Temperaturen um die 5 Grad, während es mittags angenehm warm wird. Abends kühlt es wieder deutlich ab. Das Zwiebelprinzip ist optimal: Eine leichte Fleecejacke, eine wind- und wasserabweisende äußere Schicht und darunter Schichten, die ihr nach Bedarf an- oder ausziehen könnt.
Gelegentliche Regenschauer sind im Februar möglich. Diese verwandeln Petra in eine fast mystische Landschaft, können aber die Wege rutschig machen. Eine leichte Regenjacke gehört ins Gepäck. Sonnenschutz nicht vergessen – die UV-Strahlung in dieser Höhe und bei klarem Himmel ist intensiv.
Petra Little Petra und die Umgebung
Etwa neun Kilometer nördlich von Petra liegt Little Petra (Siq al-Barid), eine kleinere nabatäische Stätte, die völlig kostenlos zu besichtigen ist. Die Anlage ist weniger monumental, aber charmant und deutlich ruhiger. Die Felshöhlen dienten vermutlich als Karawanserei, und einige bewahren noch Reste antiker Fresken. Ein Ausflug hierher lohnt sich besonders am späten Nachmittag, wenn das Licht die ockerfarbenen Felsen in warme Töne taucht.
Kombiniert den Besuch mit einer Wanderung durch die umliegenden Wadis. Die Landschaft ist karg, aber faszinierend – endlose Weiten aus verwittertem Sandstein in allen Schattierungen von Beige bis Tiefrot. Diese Stille und Einsamkeit zu zweit zu erleben, hat etwas zutiefst Verbindendes.
Kulturelle Begegnungen und Respekt
Die beduinischen Gemeinschaften, die in und um Petra leben, sind Teil der Geschichte dieses Ortes. Viele betreiben kleine Stände, an denen sie Schmuck, Steine oder selbstgemachte Souvenirs verkaufen. Ein respektvolles Gespräch, auch ohne Kaufabsicht, wird geschätzt. Oft werden euch Geschichten über die Region und ihre Geschichte erzählt, die in keinem Reiseführer stehen.
Jordanien ist ein überwiegend muslimisches Land mit konservativen Werten, besonders außerhalb der Hauptstadt. Als Paar solltet ihr öffentliche Zärtlichkeiten auf ein Minimum beschränken. Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, ist nicht nur respektvoll, sondern auch praktisch zum Schutz vor Sonne und gelegentlichen Kratzern an den Felsen.
Die Kombination aus erschwinglichen Preisen, idealen Wetterbedingungen und der zeitlosen Magie dieses Ortes macht Petra im Februar zu einem unschlagbaren Reiseziel für Paare. Hier verbindet sich das Abenteuer der Entdeckung mit Momenten stiller Zweisamkeit vor einer Kulisse, die seit über 2.000 Jahren Reisende in ihren Bann zieht. Mit ein wenig Planung und der Bereitschaft, sich auf die Langsamkeit und Intensität dieses Ortes einzulassen, wird diese Reise zu einer Erinnerung fürs Leben – ohne dabei euer Budget zu strapazieren.
Inhaltsverzeichnis
